Kurz gesagt
Mit einem tragbaren Gerät messe ich in einer Nacht in Ihrem eigenen Bett, ob Ihre Atmung im Schlaf aussetzt, wie stark der Sauerstoff im Blut dabei absinkt und wie Sie schlafen. Die Untersuchung dient vor allem der Erkennung der obstruktiven Schlafapnoe, also nächtlicher Atemaussetzer durch verengte obere Atemwege.
Dauer: eine Nacht · Vorbereitung: wenig; Hinweise unten · Auch beim Hausbesuch: ja
Was ist das?
Ich verwende das Gerät WatchPAT 200 Unified. Sie tragen es wie eine große Armbanduhr am Handgelenk. Dazu kommen ein Sensor an einem Finger und ein kleiner Sensor auf der Brust. Es gibt keine Nasenbrille, keine Gurte um Brust oder Bauch und keine langen Kabel.
Das Gerät arbeitet mit der peripheren arteriellen Tonometrie. Der Fingersensor misst feinste Schwankungen der Blutfülle in den Fingerarterien. Endet ein Atemaussetzer, reagiert das Nervensystem mit einer kurzen Weckreaktion: Puls steigt, die kleinen Gefäße im Finger ziehen sich zusammen. Diese Muster erkennt das Auswerteprogramm. Es verbindet sie mit dem Sauerstoffgehalt des Blutes, dem Puls, den Bewegungen am Handgelenk, dem Schnarchen und der Körperlage.
Daraus ergeben sich:
- die Zahl der Atemaussetzer und Atemabflachungen je Stunde Schlaf
- wie oft und wie stark der Sauerstoff im Blut absinkt
- die tatsächliche Schlafzeit und eine Einteilung in Wachsein, leichten Schlaf, Tiefschlaf und Traumschlaf
- Schnarchen und Körperlage während der Nacht
Wozu?
Sprechen Sie mich an, wenn Ihr Partner Atemaussetzer oder lautes, unregelmäßiges Schnarchen bemerkt, wenn Sie trotz ausreichender Schlafzeit tagsüber müde sind oder einschlafen, wenn Sie morgens mit Kopfschmerzen aufwachen oder wenn Ihr Blutdruck schwer einzustellen ist. Häufiger betroffen sind Menschen mit Übergewicht, im mittleren Lebensalter, mit Schlafapnoe in der Familie und mit Engstellen der oberen Atemwege.
Eine unbehandelte Schlafapnoe kann den Blutdruck, den Herzrhythmus und den Blutzucker belasten und die Leistungsfähigkeit am Tag mindern. Sie lässt sich behandeln.
Wie läuft es ab?
- Wir besprechen Ihre Beschwerden, Ihre Vorerkrankungen und Ihre Medikamente. Ich prüfe, ob die Methode für Sie in Frage kommt.
- Ich zeige Ihnen das Gerät und wie Sie es am Abend selbst anlegen, in der Praxis oder bei Ihnen zu Hause.
- Vor dem Schlafengehen legen Sie das Gerät am Handgelenk der nicht führenden Hand an, stecken den Finger in den Sensor und kleben den Brustsensor auf.
- Sie schlafen wie gewohnt in Ihrem Bett. Wenn Sie nachts aufstehen, bleibt das Gerät angelegt.
- Am Morgen nehmen Sie alles ab. Ich hole das Gerät bei Ihnen ab und untersuche Sie dabei weiter, wenn es nötig ist.
Vorbereitung
- Entfernen Sie Nagellack und künstliche Nägel am Messfinger.
- Leben und essen Sie am Untersuchungstag wie gewohnt; trinken Sie am Abend möglichst keinen Alkohol.
- Nehmen Sie Ihre Medikamente wie immer ein, sofern wir nichts anderes besprochen haben.
Dauer und Ergebnis
Gemessen wird eine Nacht. Das Programm wertet die Aufzeichnung automatisch aus; ich sehe die Auswertung und die Rohsignale selbst durch und bespreche das Ergebnis mit Ihnen, in der Regel innerhalb weniger Tage. Ist eine Schlafapnoe nachgewiesen, besprechen wir die Behandlung, und ich leite sie ein. Wann ich Sie an ein Schlaflabor oder einen Schlafmediziner überweise, steht unter „Grenzen“.
Aussagekraft
Die periphere arterielle Tonometrie ist seit vielen Jahren wissenschaftlich untersucht und mehrfach mit der Polysomnographie im Schlaflabor verglichen. Danach erkennt sie eine obstruktive Schlafapnoe zuverlässig; den Schweregrad stuft sie jedoch nicht selten anders ein als das Schlaflabor, leichte Fälle häufig falsch. Die Leitlinie „Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen“ der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (Teil-Aktualisierung 2020, Registernummer 063-001 der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) empfiehlt Geräte dieser Art bei hoher Vorwahrscheinlichkeit für eine obstruktive Schlafapnoe wie die Polygraphie zum Nachweis und zur Bestimmung des Schweregrads. Schon 2016 zählte eine Übersichtsarbeit aus dem Schlafmedizinischen Zentrum der Universitätsmedizin Mannheim (Stuck und Maurer, HNO 2016, Band 64, Seiten 75 bis 81) die periphere arterielle Tonometrie zu den neuen Verfahren, die die Schlafdiagnostik erweitert haben.
Viele Patienten empfinden die Messung als weniger störend als eine Polygraphie mit Nasenbrille und Gurten; Druckbeschwerden am Finger kommen vor. Weil Sie zu Hause schlafen, entspricht die Messnacht eher Ihren gewohnten Nächten.
Kosten
Ich berechne die Untersuchung nach der Gebührenordnung für Ärzte; ob und in welchem Umfang Ihre Versicherung erstattet, richtet sich nach Ihrem Tarif. Was das für gesetzlich Versicherte bedeutet, steht unter Kosten.
Grenzen
Die Untersuchung ist keine Polysomnographie. Sie misst keine Hirnströme; Schlafphasen schätzt sie aus Puls, Gefäßsignal und Bewegung. Den Schweregrad kann sie anders einstufen als das Schlaflabor (siehe Aussagekraft). Zentrale Atemaussetzer, die vom Gehirn ausgehen, erkennt sie weniger zuverlässig als obstruktive. Bestimmte Herzrhythmusstörungen, manche Herzschrittmacher und einige Medikamente stören die Messung; das kläre ich vorher mit Ihnen.
Bei unauffälligem Ergebnis trotz deutlicher Beschwerden, bei anderen Schlafstörungen wie Ein- und Durchschlafstörungen, nächtlichen Bewegungsstörungen oder ungewöhnlicher Tagesschläfrigkeit und bei schweren Herz- oder Lungenkrankheiten ist eine Polysomnographie im Schlaflabor einer Klinik oder bei einem Schlafmediziner nötig. Ich bin Facharzt für Allgemeinmedizin und führe keine Zusatzbezeichnung Schlafmedizin; ich untersuche Sie aus der allgemeinmedizinischen Praxis heraus und überweise Sie, wenn weitere Untersuchungen nötig sind.