Ebola in Nairobi: Was Reisende und Ärzte jetzt wissen sollten
07.10.2026 · Reisemedizin, Infektiologie
Das Wichtigste in Kürze
- Am 3. Oktober ist ein Mann mit Ebola aus der Demokratischen Republik Kongo über Uganda nach Nairobi geflogen und dort gestorben. Es ist der erste Fall in Kenia. Die Behörden verfolgen alle Kontaktpersonen, auch die Mitreisenden im Flugzeug.
- Erreger ist das Bundibugyo-Virus, eine Ebola-Art, gegen die es keinen zugelassenen Impfstoff und keine zugelassene Behandlung gibt.
- Festgestellt wurde die Krankheit bisher in vier Staaten: Kongo (über 8.600 Fälle), Uganda (20, dort beendet), Frankreich (ein Arzt, genesen) und nun Kenia (einer). Hinzu kommen drei Kranke, die im Kongo erkannt und zur Behandlung nach Europa geflogen wurden, zwei davon nach Deutschland.
- Für Touristen und Geschäftsreisende bleibt das Risiko nach meiner Rechnung sehr gering. Entscheidend ist nicht das Reiseland, sondern ob Sie Kontakt zu Kranken oder Verstorbenen hatten.
- Wer innerhalb von 21 Tagen nach der Rückkehr Fieber oder andere Krankheitszeichen bekommt, ruft vorher an und kommt nicht unangemeldet in Praxis oder Notaufnahme. Bei Fieber nach Afrika-Reisen ist Malaria weit häufiger und sollte noch am selben Tag abgeklärt werden.
Was geschehen ist
Seit Mai 2026 breitet sich im Osten der Demokratischen Republik Kongo der größte Ebola-Ausbruch in der Geschichte des Landes aus. Die Weltgesundheitsorganisation hat ihn am 17. Mai zur gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite erklärt. Bis zum 4. Oktober wurden dort 8.603 Erkrankungen bestätigt, 4.148 Menschen sind gestorben; fast die Hälfte der Erkrankten stirbt also. Am stärksten betroffen sind die Provinzen Ituri und Nord-Kivu.
Neu ist der Fall in Nairobi: ein Kenianer, der im Kongo lebte und dort seit etwa einem Monat krank war. Er reiste am 2. Oktober auf dem Landweg nach Kampala und flog am 3. Oktober nach Nairobi, wurde im Krankenhaus isoliert und starb in der Nacht des 5. Oktober. Zwei Labore haben das Virus unabhängig bestätigt. 28 Kontaktpersonen stehen unter Beobachtung, dazu 23 Passagiere und 4 Besatzungsmitglieder des Fluges.
Damit hat das Virus zum ersten Mal eine Großstadt mit internationalem Drehkreuz erreicht. Das verdient Aufmerksamkeit. Eine neue amtliche Risikobewertung ist bis zum 7. Oktober aber nicht erschienen: Weltgesundheitsorganisation, Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten und die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC haben ihre Einstufung nach Nairobi nicht geändert. Das europäische Zentrum hält das Risiko für Reisende aus Europa vor Ort für gering, für Menschen in Europa für sehr gering.
Wie hoch ist das Risiko für Reisende?
Ebola wird nicht durch die Luft übertragen, sondern durch Blut und andere Körperflüssigkeiten Erkrankter oder Verstorbener, auch über damit verunreinigte Gegenstände. Vor Beginn der Beschwerden ist eine Ansteckung nicht beschrieben. Zwischen Ansteckung und Erkrankung liegen 2 bis 21 Tage. Deshalb haben sich bei allen bisherigen Ausbrüchen vor allem Angehörige angesteckt, die Kranke pflegten, Menschen bei Bestattungen und medizinisches Personal.
Das zeigt sich auch in Europa: Alle vier Ebola-Kranken, die in diesem Jahr in Europa behandelt wurden, waren Ärzte, Pflegekräfte oder Helfer. Ein Tourist oder Geschäftsreisender war bisher nicht darunter.
Ich habe das Risiko mit dem Satz von Bayes abgeschätzt. Er verbindet zwei Dinge: wie wahrscheinlich eine Ansteckung ist, bevor Beschwerden auftreten, und wie stark Fieber diese Wahrscheinlichkeit verändert. Das Ergebnis, gerundet:
Ihre Lage in den letzten 21 Tagen: Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung ohne Beschwerden; Wahrscheinlichkeit von Ebola, wenn Sie Fieber haben
- Reise nach Kenia oder Uganda, kein Kontakt zu Kranken: höchstens 1 zu 75.000; mit Fieber höchstens 1 zu 2.600
- Aufenthalt in Ituri (Kongo), kein Kontakt zu Kranken: etwa 1 zu 6.500; mit Fieber etwa 1 zu 220
- Berührung eines Kranken im Haushalt, ohne ihn zu pflegen: etwa 2 von 100; mit Fieber etwa 38 von 100
- Pflege eines Kranken ohne Schutzausrüstung: etwa 48 von 100; mit Fieber etwa 96 von 100
Diese Zahlen sind Schätzungen aus veröffentlichten Daten mit Stand 7. Oktober 2026. Sie ändern sich mit dem Ausbruch und ersetzen keine ärztliche Beurteilung Ihres Falls; maßgeblich sind die aktuellen Hinweise des Robert Koch-Instituts und des Auswärtigen Amts. Zum Vergleich: Unter fiebernden Rückkehrern aus Ostafrika hat jeder Dritte Malaria, aus Zentralafrika sind es zwei von drei. Selbst an der Obergrenze ist Malaria bei einem fiebernden Kenia-Reisenden also rund 900-mal wahrscheinlicher als Ebola.
Für Ärzte: der Rechenweg
Vortestwahrscheinlichkeit. Kenia und Uganda: In den fünf Monaten des Ausbruchs ist unter den Reisenden zwischen Europa und Nairobi, Mombasa oder Entebbe kein Fall aufgetreten. Die Direktflüge ab Frankfurt, Amsterdam, Paris und Brüssel beförderten 2024 rund 1,08 Millionen Fluggäste in beiden Richtungen (Eurostat), also rund 542.000 je Richtung und Jahr und etwa 226.000 in fünf Monaten. Nach der Dreierregel liegt die Ansteckungswahrscheinlichkeit bei null beobachteten Fällen mit 95 % Sicherheit unter 3 ÷ 226.000, also unter 1,3 je 100.000. Ituri: 868 bestätigte Fälle in den 21 Tagen bis zum 23. September auf rund 5,6 Millionen Einwohner, das sind 15,5 je 100.000. Das ist eine Schätzung, keine Obergrenze: Die Einwohnerzahl ist unsicher (4,2 bis 7,0 Millionen), und unerkannte Fälle fehlen im Zähler; umgekehrt enthält die Bevölkerungsrate Pflege und Bestattung, die bei Reisenden meist entfallen. Kontaktpersonen: Erkrankungsrate bei direktem Kontakt ohne Pflege 2,1 %, bei Pflege 47,9 % (Meta-Analyse, Dean et al. 2016, Daten aus Ausbrüchen mit Zaire- und Sudan-Virus).
Likelihood-Verhältnis von Fieber. Fieber hatten 87,1 % der Ebola-Kranken in Westafrika 2014 (WHO Ebola Response Team, NEJM 2014). Einzelne Fieberepisoden hatten 3 % von 784 Reisenden in Entwicklungsländer (Hill 2000). Das ergibt 0,871 ÷ 0,03 ≈ 29. Nachtestchance = Vortestchance × 29. Weil die 3 % nur isolierte Fieberepisoden zählen, jedes andere Fieber aber auch, ist 29 ein Höchstwert; die wahre Nachtestwahrscheinlichkeit liegt eher darunter.
Grenzen. Die Übertragungsdaten stammen aus Ausbrüchen mit anderen Ebola-Arten; für Bundibugyo fehlen sie. Fieber kann fehlen: Das RKI berichtet für diesen Ausbruch Fälle ohne gemessenes Fieber. Die Malaria-Anteile stammen aus reisemedizinischen Spezialambulanzen. Die Rechnung ist eine Größenordnungsschätzung und ersetzt keine Einzelfallbeurteilung.
Folgerung. Das Reiseland allein begründet keinen Verdacht. Das deckt sich mit dem Robert Koch-Institut: Ein begründeter Verdacht verlangt Fieber über 38,5 °C oder erhöhte Temperatur mit Begleitsymptomen und in den 21 Tagen zuvor Kontakt zu einem Erkrankten, Krankheitsverdächtigen oder Verstorbenen, Umgang mit dem Virus im Labor oder im Epidemiegebiet direkten Kontakt zu Fledertieren, Affen oder deren Fleisch. Als Kontakt zählen auch der Aufenthalt in einem Krankenhaus, in dem Ebola-Kranke behandelt worden sein könnten, und der Sitzplatz neben, vor oder hinter einem Erkrankten im Flugzeug. Dann gilt: Patient vor Ort isolieren, Gesundheitsamt anrufen, das das Behandlungszentrum hinzuzieht (für Hessen das Universitätsklinikum Frankfurt); schon der Verdacht ist nach § 6 Infektionsschutzgesetz namentlich meldepflichtig. Ein negativer Test in den ersten 72 Stunden nach Krankheitsbeginn schließt Ebola nicht aus und wird wiederholt. Der Test muss das Bundibugyo-Virus erfassen; rein auf das Zaire-Virus ausgerichtete Tests erkennen es nicht. Ob der Impfstoff gegen das Zaire-Virus vor Bundibugyo schützt, ist unbekannt; die Weltgesundheitsorganisation hält die Daten für unzureichend und sieht ihn nur in Studien vor.
Was Sie tun können
Vor der Reise: Lesen Sie die Reisehinweise des Auswärtigen Amts. Für weite Teile des Ostens und Nordens des Kongos, darunter alle Provinzen mit Ebola-Fällen, gilt eine Teilreisewarnung. Gewöhnliche Reisekrankenversicherungen übernehmen nach Auskunft des Berliner Centrums für Reise- und Tropenmedizin keinen Rücktransport bei Verdacht auf Ebola; klären Sie das vorher. Lassen Sie sich zur Malaria-Vorbeugung beraten.
Während der Reise: Meiden Sie Kontakt zu Kranken und Verstorbenen, Krankenhäuser ohne Not, Fledertiere, Affen und Wildfleisch. Waschen Sie häufig die Hände. Verzichten Sie auf ungeschützten Geschlechtsverkehr mit Menschen, die Ebola überstanden haben; das Virus kann noch Monate im Sperma nachweisbar sein.
Nach der Rückkehr: Messen Sie 21 Tage lang morgens und abends die Temperatur, wenn Sie in einem betroffenen Gebiet waren.
Wann Sie anrufen sollten
Bekommen Sie innerhalb von 21 Tagen nach einer Reise nach Kongo, Uganda oder Kenia Fieber, Schüttelfrost, starkes Krankheitsgefühl, Halsschmerzen, Erbrechen oder Durchfall, rufen Sie vor jedem Besuch einer Praxis oder Notaufnahme an, auch bei mir, und nennen Sie gleich Ihr Reiseziel. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Fieber nach einer Afrika-Reise sollte noch am selben Tag auf Malaria abgeklärt werden; das gilt für jede Praxis und jede Klinik. Hatten Sie Kontakt zu Ebola-Kranken oder Verstorbenen oder waren Sie dort in einem Krankenhaus, rufen Sie zusätzlich das Gesundheitsamt an. Bei Bewusstseinsstörung, Atemnot oder Blutungen wählen Sie die 112 und sagen Sie dort, dass Sie aus einem Ebola-Gebiet kommen.
Stand: 07.10.2026
Quellen
- Weltgesundheitsorganisation: Disease Outbreak News, Bundibugyo virus disease, 25.09.2026
- Weltgesundheitsorganisation, Regionalbüro Afrika: Kenya confirms first imported Bundibugyo virus disease case, 06.10.2026
- Gesundheitsministerium Kenia: Kenya confirms first imported case of Bundibugyo Ebola virus disease, 06.10.2026
- Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten: Ebola outbreak, Democratic Republic of the Congo
- CDC: Ebola Outbreak: Current Situation
- Robert Koch-Institut: Ebolafieber, Verdachtsabklärung und Erstmaßnahmen, Rahmenkonzept Ebolafieber und Behandlungszentren des Ständigen Arbeitskreises der Kompetenz- und Behandlungszentren
- Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin: Kommentar zum Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo
- Auswärtiges Amt: Ebolafieber, Hinweise für Reisende
- Dean NE et al.: Transmissibility and pathogenicity of Ebola virus: a systematic review and meta-analysis of household secondary attack rate and asymptomatic infection. Clin Infect Dis 2016
- WHO Ebola Response Team: Ebola virus disease in West Africa, the first 9 months of the epidemic and forward projections. N Engl J Med 2014
- Hill DR: Health problems in a large cohort of Americans traveling to developing countries. J Travel Med 2000
- Mendelson M et al.: Regional variation in travel-related illness acquired in Africa, March 1997 – May 2011. Emerg Infect Dis 2014